Im Erstgespräch entscheidet sich, ob ein Webprojekt später hält, was im Verkaufsgespräch versprochen wurde — oder ob es nach sechs Monaten zur Hängepartie wird. Wer die richtigen Fragen stellt, erkennt seriöse Agenturen in zwanzig Minuten. Wer nur über Preise spricht, merkt es erst, wenn das Geld weg ist. Diese zehn Fragen funktionieren bei Solo-Designern und Großagenturen gleichermaßen — und decken die häufigsten Konfliktpunkte im Dresdner Markt ab.
Warum dieses Briefing wichtig ist
Webagenturen unterscheiden sich nicht nur in Stundensätzen, sondern in Arbeitsweise, Tech-Stack, Vertragsformen und Folgekostenstruktur. Eine Agentur, die in Dresden eine 12.000-Euro-Website anbietet, kann am Ende mit Wartungspflichten und Lizenzkosten 18.000 Euro im Jahr eins kosten — oder fair kalkuliert bei 13.500 Euro bleiben. Den Unterschied erkennt man im Briefing.
Die folgenden Fragen sollten in der ersten Stunde gestellt werden, am besten schriftlich vorab, damit die Antworten dokumentiert sind. Wer eine Agentur trifft, die ausweichend antwortet oder Fragen abwiegelt, sollte das ernst nehmen.
Frage 1: Können Sie mir drei Referenzkunden nennen, die ich anrufen darf?
Warum diese Frage: Referenzen auf der Website sind oft schmückendes Beiwerk. Echte Anrufe bringen die Wahrheit ans Licht — wie war die Zusammenarbeit, hat der Zeitplan gehalten, gab es versteckte Kosten?
Gute Antwort: „Hier sind drei Kontakte, ich melde mich vorher kurz und sage ihnen, dass Sie anrufen werden.“ Eine seriöse Agentur freut sich über diese Frage, weil sie zufriedene Kunden hat. Sandstein, 3m5. und digitalwert nennen ihre Großkunden öffentlich — Staatliche Kunstsammlungen Dresden, ZDF, SachsenEnergie. Solche Häuser scheuen Referenzanrufe nicht.
Schlechte Antwort: „Datenschutz erlaubt das leider nicht“ oder „Schauen Sie auf unserer Website nach“. Wenn niemand telefonisch zur Verfügung steht, sollte das misstrauisch machen.
Frage 2: Welchen Tech-Stack setzen Sie ein und warum?
Warum diese Frage: CMS, Hosting, Plugins, Frontend-Framework — die Entscheidungen wirken fünf Jahre nach. Wer nur „WordPress mit Elementor“ sagt, hat noch nicht erklärt, wie die Architektur zusammenhängt.
Gute Antwort: Konkret und differenziert. Beispiel: „Wir setzen WordPress mit dem GeneratePress-Theme ein, weil es schlank ist. Elementor Pro für den Page-Builder. WP Rocket für Caching. Real Cookie Banner für DSGVO. Hosting empfehlen wir Raidboxes oder Mittwald — andere gehen aber auch.“ Das ist die Antwort einer Agentur, die ihren Stack reflektiert hat.
Schlechte Antwort: „Wir machen alles mit WordPress, das passt schon.“ Oder Stack-Wahl ohne Begründung. Wer auf Nachfrage nicht erklären kann, warum er ein bestimmtes Plugin einsetzt, hat den Stack nicht durchdacht.
Frage 3: Wie sieht Ihr typischer Projektablauf aus, und welche Meilensteine gibt es?
Warum diese Frage: Ein Webprojekt ohne strukturierten Ablauf wird zu einer endlosen Iterationsschleife. Klare Meilensteine schützen beide Seiten — die Agentur vor unbezahlten Endlos-Korrekturen, den Kunden vor unklaren Lieferständen.
Gute Antwort: „Phase 1 Konzept (2 Wochen, 30% Anzahlung), Phase 2 Design mit zwei Iterationsrunden (3 Wochen), Phase 3 Entwicklung (4 Wochen), Phase 4 Tests und Schulung (1 Woche). Nach jeder Phase gibt es ein Freigabe-Dokument.“ Mittelständische Häuser wie krawall & wunder, IKONUM oder digitalwert arbeiten so.
Schlechte Antwort: „Wir setzen uns einfach zusammen und legen los.“ Das klingt unkompliziert, ist aber ein Warnsignal. Spätestens beim dritten Korrekturwunsch streiten beide Seiten über die Auslegung.
Frage 4: Was passiert mit Wartung, Updates und Support nach dem Go-Live?
Warum diese Frage: Eine Website ohne Wartung ist nach 18 Monaten ein Sicherheitsrisiko. WordPress-Sites mit veralteten Plugins werden regelmäßig gehackt. Wer keinen Wartungsvertrag anbietet, lässt seine Kunden ins Risiko laufen.
Gute Antwort: „Wir bieten Wartungspakete von 50 Euro für reine Updates bis 250 Euro im Monat für aktive Betreuung mit Reaktionszeit innerhalb von 24 Stunden. Sie können auch jeden anderen Dienstleister beauftragen, alle Zugänge gehören Ihnen.“ DRESDEN-WEBSITE wirbt explizit mit Wartung als Schwerpunkt — solche Häuser haben durchdachte Pakete.
Schlechte Antwort: „Wartung ist nicht nötig, WordPress aktualisiert sich selbst.“ Faktisch falsch. Oder: „Wir bieten keine Wartung an, das müssen Sie selbst regeln.“ Lässt den Kunden mit dem Risiko allein.
Frage 5: Setzen Sie Open-Source-Software ein oder gibt es Lock-in-Risiken?
Warum diese Frage: Wer ein eigenes hauseigenes CMS einsetzt — wie Multitype in Dresden — bietet Vorteile (kein Plugin-Chaos), aber auch Risiken (Wechsel zur anderen Agentur kaum möglich). Bei TYPO3 und WordPress ist die Auswahl an Nachfolgeagenturen riesig, bei Eigen-CMS gleich Null.
Gute Antwort: „Wir nutzen WordPress / TYPO3 / Shopify — Sie können später jede Agentur damit weiterarbeiten lassen. Hier sind die Zugänge zu Hosting, Domain, Repository.“ Oder bei einem Custom-Anbieter: „Ja, das ist ein Eigenprodukt. Hier sind die Konsequenzen, wenn Sie wechseln wollen — wir können Ihnen einen Datenexport in Standard-Formate liefern.“
Schlechte Antwort: „Sie brauchen sich keine Gedanken zu machen, wir kümmern uns immer um alles.“ Bewusstes Verschleiern eines Lock-in-Risikos.
Frage 6: Wie gehen Sie mit DSGVO und Datenschutz um?
Warum diese Frage: DSGVO-Pflichten sind kein Kann, sondern Pflicht. Cookie-Consent, Auftragsverarbeitungsverträge (AVV), Datenschutzerklärung, eingebundene externe Scripts — wer hier nachlässig arbeitet, hinterlässt seinen Kunden ein Bußgeldrisiko.
Gute Antwort: „Wir hosten Google Fonts lokal, setzen ein Consent-Tool wie Real Cookie Banner ein, schließen mit Ihnen einen AVV ab und verweisen für die Datenschutzerklärung auf einen Anwalts-Generator wie eRecht24. Externe Scripts werden vor der Aktivierung dokumentiert.“ Sandstein arbeitet mit Barrierefreiheits- und Datenschutz-Schwerpunkt für öffentliche Auftraggeber — das ist Pflichtprogramm.
Schlechte Antwort: „DSGVO regeln Sie mit Ihrem Datenschutzbeauftragten.“ Faktisch verschiebt die Agentur damit die Verantwortung — und kümmert sich oft auch nicht selbst um die technischen Voraussetzungen (lokales Hosting von Schriften, Cookie-Banner-Konfiguration).
Frage 7: Bei welchem Hoster läuft die Website, und kann ich diesen frei wählen?
Warum diese Frage: Manche Agenturen verdienen am Hosting mit Margen von 30 bis 50 Prozent. Andere zwingen ihre Kunden auf einen bestimmten Hoster, weil sie nur dort Support leisten. Beides ist legitim, aber Kunden sollten es wissen.
Gute Antwort: „Wir empfehlen drei Hoster (z. B. Raidboxes, Mittwald, All-Inkl), Sie wählen aus. Wir verdienen daran nichts. Bei eigenen Hostern haben wir Erfahrung, bei anderen müssen wir uns einarbeiten — das berechnen wir transparent.“ WerbeFranz und Kopf & Stift arbeiten so flexibel.
Schlechte Antwort: „Sie müssen bei uns hosten, sonst können wir keinen Support leisten.“ Manchmal legitim, oft eine versteckte Marge. Mindestens nach den Konditionen fragen.
Frage 8: Welches Pricing-Modell schlagen Sie vor — Festpreis, Stundensatz oder Pauschale?
Warum diese Frage: Das Pricing-Modell beeinflusst, wer welches Risiko trägt. Bei Festpreis trägt die Agentur das Risiko, bei Stundenabrechnung der Kunde. Eine seriöse Agentur erklärt, welches Modell wann sinnvoll ist.
Gute Antwort: „Für die Standard-Website schlagen wir einen Festpreis von 9.500 Euro vor, klar definiert nach Sitemap und Funktionsumfang. Für Erweiterungen darüber hinaus rechnen wir nach Aufwand zu 95 Euro die Stunde, mit Vorabschätzung pro Aufgabe.“
Schlechte Antwort: Reine Stundenabrechnung ohne Aufwandsschätzung („wir rechnen halt nach Aufwand ab“). Das ist legitim für laufende Wartung, aber nicht für Erstprojekte. Wer hier kein Festpreis-Modell anbietet, scheut entweder die Risikoübernahme oder hat die Kalkulation nicht im Griff.
Frage 9: Was passiert, wenn der Mitarbeiter, der mein Projekt betreut, kündigt oder ausfällt?
Warum diese Frage: Bei Solo-Designern ist die Antwort ehrlicherweise „dann wird’s schwierig“. Bei Agenturen sollte ein Notfall-Plan existieren. Wer drei Wochen ohne Reaktion ist, hat ein echtes Problem.
Gute Antwort: „Bei uns sind alle Projekte mindestens zu zweit besetzt — Hauptansprechpartner und Backup. Außerdem dokumentieren wir jeden Stand im internen Wiki. Wenn jemand ausfällt, kann ein Kollege innerhalb von zwei Werktagen übernehmen.“ Das ist Standard bei mittelständischen Häusern.
Schlechte Antwort: „Das wird schon nicht passieren.“ Realitätsverweigerung. Mitarbeiter kündigen, werden krank, gehen in Elternzeit. Eine Agentur ohne Backup-Konzept ist im Zweifel kein Gewinn gegenüber einem Solo-Designer.
Frage 10: Wem gehört am Ende der Code, das Design und die Domain?
Warum diese Frage: Manche Agenturen verkaufen nur Nutzungsrechte an „ihrem“ Code, nicht das Eigentum. Das wird zum Problem, wenn man wechseln will. Auch Domains werden gelegentlich auf den Namen der Agentur registriert — was dem Kunden bei Konflikten den Hebel nimmt.
Gute Antwort: „Sie bekommen das exklusive Nutzungsrecht am Design, der Quellcode wird bei Ihnen abgelegt. Die Domain ist auf Ihren Namen registriert, Sie haben den Admin-Zugang. Alle Zugangsdaten werden bei Übergabe in Klartext dokumentiert.“ Schriftlich im Vertrag.
Schlechte Antwort: „Wir verwalten das alles für Sie, das ist einfacher.“ Kann gut gemeint sein, ist aber strukturell ein Lock-in. Mindestens nachfragen, was bei Vertragsende passiert.
Bonus: Fünf Red Flags, bei denen man besser abbricht
1. Fehlende Transparenz beim Preis. Eine Agentur, die nach drei Mails immer noch keine grobe Hausnummer für ein Standardprojekt nennen will, hat etwas zu verbergen — oder sie hat die eigene Kalkulation nicht im Griff.
2. Unrealistisch günstige Angebote. Wer eine 15-Seiten-Mehrsprachen-Website für 1.800 Euro anbietet, kann sie für diesen Preis nicht seriös bauen. Entweder werden später Aufschläge fällig, oder es entsteht Pfusch. In Dresden sind Stundensätze unter 50 Euro für eine echte Agentur ein Warnsignal.
3. Keine Referenzen aus den letzten zwei Jahren. Wenn die Beispiele auf der Website alle aus 2021 sind, hat die Agentur entweder seither nichts gemacht — oder sie veröffentlicht ihre Arbeit nicht. Beides verdient Nachfrage.
4. Generische Marketing-Texte ohne Tiefe. Wer auf Fachfragen mit Phrasen wie „Wir sind Ihre Partner für die digitale Transformation“ antwortet, hat die Frage nicht verstanden oder hat keine Substanz dahinter. Eine seriöse Agentur kann konkret und unaufgeregt erklären, wie sie arbeitet.
5. Druck zum schnellen Vertragsabschluss. „Wenn Sie heute unterschreiben, gibt es 15 Prozent Rabatt.“ Solche Verkaufstaktiken sind im B2B-Webdesign unüblich. Eine seriöse Agentur weiß, dass Webprojekte überlegt entschieden werden — und respektiert das.
Wie man die Antworten bewertet
Die zehn Fragen ergeben in der Praxis ein klares Bild. Eine seriöse Agentur — egal ob Solo aus Pieschen oder Mittelständler aus der Neustadt — beantwortet sie bereitwillig, konkret und ohne Ausweichmanöver. Wer bei mehr als zwei Fragen schwammig wird, sollte die Empfehlung kritisch hinterfragen.
Eine Beobachtung aus der Praxis: Die Antworten von Solo-Designern sind oft unaufgeregter und ehrlicher als die von großen Agenturen. Anita Mostofa, WerbeFranz oder Kopf & Stift haben in der Regel kein Vertriebsteam, das Antworten poliert. Das wirkt manchmal weniger professionell, ist aber ein Vorteil — man weiß schneller, woran man ist.
Fazit
Wer diese zehn Fragen vor Vertragsabschluss stellt, vermeidet die häufigsten Konflikte in Webprojekten. Sie sind nicht schikanös, sondern Standard für seriöse Auftragsklärung. Eine Agentur, die diese Fragen erwartet und routiniert beantwortet, hat schon mal einen Pluspunkt verdient.
Im Dresdner Markt gibt es Anbieter aller Größen und Spezialisierungen — die Vergleichsübersicht der 18 Agenturen zeigt, wer was anbietet. Welche Preisstrukturen typisch sind und wann sich Solo-Designer oder Agenturen lohnen, ist in den jeweiligen Ratgebern aufbereitet. Wer sich vor dem Briefing selbst klar macht, was die eigene Branche an Webdesign-Anforderungen hat, kommt nochmal besser gerüstet ins Erstgespräch.
